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Agenda Balsamica

Schon seit einigen Jahren besteht zwischen Wien und Modena (Italien) ein inhaltlicher Austausch zu Bürgerbeteiligungsprozessen und Lokaler Agenda 21. Im Oktober 2003 besuchten Umweltstadtrat Mauro Tesauro und drei der vier BezirksvorsteherInnen von Modena Wien, um sich über die Lokale Agenda 21 und die Situation in den Bezirken fünf und sieben zu informieren. Im März 2004 fand nun der Gegenbesuch einer Wiener Gruppe statt, die sich aus MitarbeiterInnen der Agendabüros, dem Verein Lokale Agenda 21, dem Bezirksvorsteher des 5. Bezirks sowie der Bezirksvorsteher Stellvertreterin des 7. Bezirks und einem Bürgervertreter aus dem 9. Bezirk zusammensetzte.

 

Modena ist eine Stadt mit 175.000 EinwohnerInnen im Norden Italiens. Das wohl bekannteste Produkt der Stadt ist der Balsamico Essig. Die traditionelle, „handwerkliche“ Herstellung wurde uns als eine Art Geheimwissenschaft des Umgießens und Konzentrieres präsentiert und ein sehr guter Essig benötigt 12-24 Jahre für seine Vollendung. In dieser Form der Herstellung sicherlich ein nachhaltiges Produkt.

Die Wurzeln der Lokalen Agenda 21 liegen im Umweltbereich, in dem ab 1997 verschiedene Strategien zu Bekämpfung von Verkehrsproblemen und der Luftverschmutzung, sowie des Wasserschutzes und der Förderung der biologischer Landwirtschaft entwickelt wurden. 2002 startete dann der Lokale Agenda 21 Prozess für den das Umweltressort zuständig ist.

Lokale Agenda 21 Aktionspläne
Die Hauptaktivitäten der Lokalen Agenda 21 in Modena lagen bisher auf der Erstellung von LA 21 Aktionsplänen. Diese wurden auf Stadt- und Bezirksebene sowie für verschiedene Akteursgruppen z.B. LA 21 und Schulen, LA 21 und Landwirtschaft erarbeitet. Die Pläne sind stark operativ formuliert, enthalten die Beschreibung der Maßnahmen, Zielsetzung, verantwortliche Personen, Umsetzungszeitraum, Schnittstellen mit Abteilungen der Stadtverwaltung, Partner, die in die Umsetzung involviert werden, geschätzte Kosten und die Zuständigkeit für die Überprüfung der Zielerreichung. Am Beginn der Erstellung dieser Aktionspläne wurde ein Stadtforum organisiert an dem 450 Personen teilnahmen und die Schwerpunkte für eine nachhaltige Entwicklung der Stadt Modena festlegten. TeilnehmerInnen waren PolitikerInnen, NGO VertreterInnen, VertreterInnen von Universitäten aber auch nicht organisierte BürgerInnen. In acht Arbeitsgruppen wurde in der Folge für die Erstellung der Aktionspläne weitergearbeitet. Diese Phase der Erstellung der Aktionspläne ist nun abgeschlossen und in Zukunft wird es um die Umsetzung der geplanten Maßnahmen gehen.

 

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Erfahrungsaustausch
Im Mittelpunkt unseres Erfahrungsaustausches standen die LA 21 Aktionspläne der Bezirke zwei, drei und vier. Anhand von Themenstellungen wie „ Aktivierung und Einbindung von Stakeholdern in die LA 21“ oder „Kooperation Politik und BürgerInnen: Möglichkeiten und Probleme“ wurden die Projekte aus den Bezirksaktionsplänen von Modena sowie auch ausgewählte Aktivitäten der LA 21 in Wien vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Die BezirksvorsteherInnen der drei Bezirke nahmen sich dafür zwei Tage Zeit , die Präsentation der Projekte aus Modena erfolgte großteils durch BürgerInnen, die ehrenamtlich in ihre Planung und Umsetzung involviert sind.

Interessant war z.B. das Projekt „Ich gehe zur Schule mit meinen Freunden“. Zielsetzungen sind :

 

  • den Schulweg sicherer zu gestalten,
  • Autofahrten zur Schule zu reduzieren,
  • alternative Verkehrsmittel wie das Rad zu förden,
  • die Förderung der Selbständigkeit der SchülerInnen und ihres Freiraums
  • sowie die gegenseitige Hilfe.


Dementsprechend wurden Treffpunkte in Schulnähe (400-600m Entfernung) gesucht von wo aus ein sicherer Weg zur Schule möglich ist. Die Begleitung erfolgt durch Eltern oder StudentInnen, die dies ehrenamtlich oder gegen ein geringes Taschengeld machen. Schrittweise fand eine Ausweitung der Treffpunkte und Wochentage an denen diese Aktion durchgeführt wurde, statt.

Eindrücke
Der politische und kulturelle Hintergrund für die Lokale Agenda 21 in Modena ist doch ein gänzlich anderer als in Wien. Alle waren erstaunt über die starke Verankerung des Ehrenamtes und die hohe Beteiligung von BürgerInnen an der Entwicklung und auch der Umsetzung von Projekten in Modena. Die Probleme der Aktivierung zur Mitarbeit an der Lokalen Agenda 21 wurden weder von den BezirksvorsteherInnen noch von der Leiterin des Agendabüros als sehr groß angesehen. Bei der Entwicklung der Aktionspläne gelang es ihnen sehr gut verschieden Interessensgruppen wie auch nicht-organisierte BürgerInnen einzubinden. Unser erster Eindruck, dass die Aktionspläne eher ein reine Top down Strategie sind, änderte sich im Zuge der zweitägigen Diskussionen und der Exkursion zu Projekten stark.

Viele Projekte der LA 21 Modena wie eine Internetgarage oder eine Musik- und Theaterausbildung für Jugendliche mit Schwierigkeiten, die Durchführung von „Wassertagen“, um einen sparsameren Umgang mit Wasser anzuregen, Recyclingmärkte, Unterstützungsmaßnahmen für Migrantinnen, die als PflegerInnen arbeiten, werden ehrenamtlich durchgeführt und benötigen nur relativ geringe Finanzmittel. Die hohe Bedeutung des Ehrenamtes hat unserer Meinung nach seine Wurzeln in der Tradition des Kommunitarismus. Der immer stärkeren Individualisierung und dem Auflösen der traditionellen Familienbindungen, hält die die Lokale Agenda 21 diese Tradition entgegen und stärkt sich auch.

Die geringen finanziellen Summen für die Projekte hängen damit zusammen, dass die Bezirke nur über sehr kleine eigene Budgets verfügen. Jedes größere Projekt des Bezirkes z.B. die Errichtung eines bauökologischen Zentrums bedarf der Verhandlungen mit der Stadtpolitik.

Trotz des grundsätzlich höheren BürgerInnengagements in Modena , stellen sich doch auch ähnliche Fragen wie für die Wiener LA 21: Wie kann ich bestimmte Zielgruppen z.B. Jugendliche oder auch die Wirtschaft noch besser erreichen, welche Beteiligungsformen sind passend, wie ist das Verhältnis von repräsentativer und direkter Demokratie. Auch die Sorgen über die Verbindlichkeit der Politik bezüglich der Umsetzung der geplanten Projekte teilen die VertreterInnen der beiden Städte. Die Stärkung des kooperativen Vorgehens, der bewussten Einbindung unterschiedlicher AkteurInnen in die Planung und die Umsetzung von Maßnahmen, ist ebenfalls für beide Agendaprozesse gültig.

Alles in allem haben intensiver Fachaustausch und kulinarische Genüsse unseren Blickwinkel verbreitert und das Verständnis für Struktur und Inhalte anderer LA 21 Prozesse erhöht.

 

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