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Steine des Gedenkens

Die Agendagruppe setzt sich zum Ziel, das Gedenken an die Opfer der Shoa zu fördern und initiierte die Errichtung zahlreicher Gedenksteine im öffentlichen Raum.

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Gründung: 2008

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Ausgangslage, Ziel, AkteurInnen

Etwa acht BezirksbewohnerInnen schlossen sich im Jänner 2008 zusammen, um die Agenda-Initiative „Steine des Gedenkens" zu gründen. Ziel der Gruppe ist es, das Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, insbesondere der Opfer der Shoa, zu fördern.

Es ist kaum bewusst, dass auch das Weißgerberviertel (etwa zwischen Urania, dem Radetzkyplatz, der Landstraßer Hauptstraße und der Rotundenbrücke) im 3. Bezirk ein wichtiges jüdisches kulturelles Zentrum und Wohngebiet war. Der Leiter des Bezirksmuseums Landstraße, Herr Professor Hauer hat in einer Datenbank die Namen, die Wohnadressen und die Schicksale von ca. 13.400 Personen dokumentiert, die während des NS-Faschismus aus rassistischen Gründen aus dem dritten Bezirk vertrieben wurden. Die Agendagruppe möchte die Erinnerung an diese Schicksale wach halten, denn "Tot sind jene, an die sich niemand mehr erinnert", sagt ein jüdisches Sprichwort.

Wo religiöse oder kulturelle Institutionen von Juden bestanden sowie bei ausgewählten Wohnhäusern von Juden und Jüdinnen im dritten Bezirk sollen Gedenktafeln befestigt werden um damit den Vertriebenen und Ermordeten symbolisch wieder einen Platz in ihrem Heimatbezirk zu geben.

Die erste Gedenktafel soll bis zum 9. November.2008, also 70 Jahre nach dem Reichspogrom (der so genannten „Kristallnacht“)  vor dem Haus Untere Viaduktgasse 13, angebracht werden Hier befand sich die 1870 erbaute Synagoge des Tempelvereins Beth Hachneseth,. Weitere Tafeln und Hinweise könnten ab 2009 einen Gedenkweg bilden, der auch außerhalb des Weißgerberviertels weitergeführt werden soll, wenn genügend Geld durch Patenschaften, Bausteine Subventionen und andere Spenden zusammenkommt.

 

Aktivitäten

Nach der Anerkennung der LAI als Agendagruppe im Rahmen der ersten Steuerungsgruppensitzung 2008 gründete die LAG im März den Verein „Steine des Gedenkens" mit etwa 30 Mitgliedern. Seither wurde das Agendabüro für die Vereinssitzungen genutzt. Der Verein sammelte in kurzer Zeit etwa 700 Unterstützungserklärungen, welche auch über das Agendabüro verteilt wurden. Um auf die Anliegen der LAG aufmerksam zu machen, organisierte die LAG mehrere öffentlichkeitswirksame, kulturelle Veranstaltungen im April und Mai. Von 24. – 26. April 2008 veranstaltete die LAG ein Benefizkonzert mit vielen Prominenten und PolitikerInnen. Von 29. – 31.Mai 2008 fand im Kulturzentrum Weißgerberviertel – das DORF – eine Benefiz-Veranstaltung zu Gunsten des Vereins mit über 200 BesucherInnen statt. Mitunter standen eine Ausstellung, Musik, Lesungen und Vorträge am Programm.

Durch die intensive SponsorInnensuche und die konstruktive Gespräche mit der MA 28 erreichte die LAG, dass im November 2008 die ersten vier Gedenksteine errichtet werden konnten:   

  • Untere Viaduktgasse 13: Gedenkstein für den ehemaligen Tempelverein Synagoge Beth Hachneset
  • Hintere Zollamtsstraße 7 (RG-3 Radetzkyschule): Gedenkstein für die ehemalige Sammelschule für jüdische Mittelschüler/innen
  • Radetzkystraße 5: Gedenkstein für das ehemalige Sammellager für ca. 380 jüdische Personen
  • Dißlergasse 8: Gedenkstein für ehemalige Sammelwohnungen für ca. 29 jüdische Personen
     

Am 9. Nov. 2008   70 Jahre nach dem Novemberpogrom (der sog. Reichskristallnacht) – lud die LAG zur Eröffnung des "Weges des Gedenkes durch das Weißgerberviertel". Über 100 Menschen nahmen an der Begehung des Gedenkweges und der Weihung durch Oberrabbiner Chaim Paul teil.

Auch 2009 konnte neben der Installation weiterer Gedenktafeln an Orten ehemaliger jüdischer Einrichtungen die Errichtung von Gedenksteinen für Einzelpersonen erreicht werden:

  • Neulinggasse 39: Benennung des Alice und Heinrich Scheuer Hofes, Gedenkstein "Kündigungsgrund Nichtarier"
  • Salmgasse 4: Gedenkstein für Frau Karoline Winterstern
  • Sechskrügelgasse 10: Gedenkstein für Familie Josef, Lina und Franz Schiller
  • Sechskrügelgasse 11 (Bezirksmuseum): Gedenkstein Sammelhauptschule für jüdische Kinder 

Anlässlich des 71. Jahrestags der sog. „Reichskristallnacht“  fand am 8. November 2009 im Alice und Heinrich Scheuer Hof ein Festakt gab: Es erfolgte die Übergabe von vier weiteren Gedenksteinen an die Öffentlichkeit mit Hannah Lessing (Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus), StR Rudi Schicker, BV-Stv. Rudolf Zabrana und BR Irene Wernicke. Mit anschließendem informellen Gespräch im Gedenkraum „Unsere vergessenen Nachbarn“ im Bezirksmuseum Landstraße. Einladung hier.

Zudem organisierte das Bezirksmuseum im November einen Erinnerungsspaziergang durch das jüdische Weißgerberviertel. Im Zuge eines besinnlichen Erinnerungsspaziergangs konnte man sowohl die verblüffende Infrastruktur des Bezirksteils kennenlernen, der bis 1938 eine 20%ige jüdische Einwohnerschaft hatte, als auch die ersten "Steine des Gedenkens" sehen.

Im März 2010 lud die Agendagruppe im Rahmen der Generalversammlung des Vereins auch zu einem Zeitzeugenbericht und Gespräch mit Frau Lamberg.

Am 7. November 2010 wurden weitere Gedenksteine errichtet und eröffnet: 

  • Rochusgasse 12 – Familie Burstein – Sprecher: Dr. Alexander Burstein.
  • Gesaugasse 46 – Finali Richard, Fotograf – Eva Brossmann
  • Hetzgasse 10 – Familie Feuchtbaum
  • Löwengasse 36 – ehem. Café Residenz (Besitzer: Familie Schwimmer), Sitz des Zionistischen Landesverbandes Wien
  • Löwengasse 39 – ehem. Café Illion (Besitzer Familie Zwicker), Sitz des Jüdischen Frauenvereins Landstraße 

Am 9. und 13. November 2011 wurden folgende Gedenkstellen für Opfer der Shoa eröffnet. Einladung hier:

  • Radetzkystraße 25 + 27 - Behausverein Oseh Tow ("Man tut Gutes"), Präsident Samuel Metzger. 
  • Oberere Weißgerberstraße 24 - Maimonides Institut Dr. Abel Kaminka.
  • Radetzkystraße 31 - Turnverein Hasmonäa Makkabi.
  • Dianagasse 8 - koschere Fleischbank / Fleischselcherei Hans Kirgle.
  • Obere Viaduktgasse 2 - isrealitischer Wohltätigkeitsverein Dr. Munisch und Julie Amboß.  
  • Reisnerstraße 17 - 1938 leben sechs jüdische Personen in diesem Haus.

 Am 21.Oktober 2012 wurden folgende Gedenktafel eröffnet. Einladung hier.:

  • Czapkagasse 5 (Ecke Seidlg. 35) - Hans AMENT (1934-1944). In diesem Haus lebte Hans Ament mit seiner Familie bis 1939. Dann floh seine Familie mit ihm nach Frankreich. Hans fand im Kinderheim von Izieu bei Grenoble für einige Monate Geborgenheit. Am 6.April 1944 überfiel die Gestapo das Heim. Alle anwesenden 44 Kinder sowie deren sieben Erzieherinnen und Erzieher wurden verschleppt, Hans nach Auschwitz deportiert und ermordet. Er war gerade 10 Jahre alt. Hans war eines der „Kinder von Izieu“.

Am 11. November 2012 wurden folgende Gedenktafeln übergeben. Einladung hier.:

  • Kundmanngasse 13 - Die Hausgemeinschaft dieses Hauses hat nach Nachforschungen über die Schicksale der jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner beschlossen, diese Gedenktafeln zu setzen: Berta und -Emma HAUSER und Moses, Flora und Adrienne BERKUN
  • Paracelsusgasse 8 -In diesem Haus sind 47 Opfer der Shoa zu beklagen. Zwei Buben konnten durch den Kindertransport nach Großbritannien gerettet werden. Der nun überlebende Bruder wird mit seiner Familie und Verwandten nach Wien zur Eröffnung der Gedenktafel kommen. Auf der Tafel wird besonders den Familien Ing. Robert und Nelly SUBAK sowieErnst und Marianne SUBAK gedacht werden.
  • Keilgasse 6 (nahe Rennweg – Fasankreuzung) - Hier lebten sieben jüdische Personen. Die Gedenktafel hebt hervor: Erna Förster und Carl Förster(Feintuch). Sie überlebten den berüchtigten KLADOVO-Transport nicht. Maria Förster konnte sich durch Flucht retten.

Am 12. Mai 2013 wurde folgende Gedenktafel übergeben. Einladung hier:

  • Weißgerberlände 12 - Gedenktafel für Herrn Alfred Fessler.

Am 10. November 2013 fand eine Gedenkfeier anlässlich des vor 75 Jahren erfolgten Novemberprogroms statt. Einladung hier.

  • Kegelgasse 41 - für 34 jüdische Kinder, Frauen u. Männer, die hier wohnten
  • Weißgerber Lände 50 - für Paula und Lorand Kanitzer u. 15 weitere jüdische BewohnerInnen
  • Kübeckgasse 16 - für Gerda und Marianne Lampl und 20 weitere jüdische BewohnerInnen
  • Hohlweggasse 1
  • Reindorfgasse 17 - Für Therese u. Isidor Feldmann, Pionier der Elektrifizierung der Bahnen
  • Landstraßer Hauptstraße 12 - Für Rosa und Isidor Einzinger und weitere 29 jüdische BewohnerInnen
  • Gärtnergasse 4 - Ehem. Wohnhaus des politischen Dichters Jura Soyfer

Am 18. Mai 2014 und 16. November 2014 wurden weitere Gedenksteine gelegt:

  • Kuhnngasse 5 - Die verwitwete Berta Feldmann wurde zunächst in eine Sammelwohnung in 9., Servitengasse einquartiert, dann wurde sie nach Theresienstadt verbracht, wo sie im Oktober 1942 verstarb.

    Ihr Sohn Emil Feldmann war Schustergehilfe für orthopädische Schuhe. Er kam als Zwangsarbeiter zuerst zum Autobahnbau ins „Altreich“. Später wurde er nach Lavamünd (Ktn.) verlegt, um Erdarbeiten beim Bau der Draukraftwerke zu leisten. Nach einem Fluchtversuch wurde er von den SS‐Wachen erschlagen. Sein Schicksal konnte die Familie erst durch die Nachforschungen für die Gedenktafel aufklären. Er war weder bei Yad Vashem, noch in der
    Opferliste des Dokumentationsarchives des Österreichischen Widerstandes erfasst.
  • Reisnerstraße 34 - Der Major Otto Simmel und seine Gattin Lina Simmel wurden wegen Widerstandesgegen das NS‐Regime festgenommen. Major Otto wurde in GESTAPO‐Haft ermordet. Lina Simmel kam in die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück.

    Aus diesem Wohnhaus wurden weitere vier Juden und Jüdinnen in Minsk ermordet sowie einePerson in Hartheim (OÖ) getötet.
  • Esteplatz 5 - Wolf Friedländer wurde am 31. Juli 1942 in Auschwitz ermordet. Die Tochter Lilly wurde Sergeant in der französischen Resistance, der Sohn Bruno schloss sich der US‐Army an. Die Mutter Sika Friedländer konnte sich durch Flucht nach Großbritannien retten.

Einladungen hier und hier.

Am 31. Mai 2015 erfolgte die Übergabe neuer Gedenksteine für Opfer der Shoa an folgenden Orten im Bezirk:

  • Radetzkystraße 12 - Hier wohnten 20 jüdische Verfolgte. Die Eigentümergemeinschaft dieses Hauses hat vier Gedenktafeln gestiftet. Eine Gruppe des jüdischen Chors wird hier singen.
  • Landstraßer Hauptstraße 4 - Robert BLICHMANN, Kaufmann, konnte vor den Nationalsozialisten zunächst flüchten. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.
  • Invalidenstraße 17 - Der Sportjournalist Alexander Isidor MEISEL wurde 1942 im KZ Sachsenhausen ermordet. Wir gedenken hier auch fünf weiterer Personen, die als Juden verfolgt wurden.
  • Reisnerstraße 6 - Hier wohnten die Familien BLUM, LUX, NASCH, MAHLER und POLLAK, insgesamt 3 Kinder, 7 Männer und 7 Frauen. Hier wird ein Kaddisch‐Gebet gesprochen werden.
  • Ungargasse 1 - Julie ROSENBAUM, wurde 1941 gemeinsam mit 998 anderen jüdischen Wienerinnen und Wienern in das Ghetto Modliborzyce (Polen) deportiert, nur 13 überlebten.

 Einladung hier.

 

Nächste Arbeitsschritte

Für die Zukunft ist eine professionelle Internetpräsentation mit Einbindung der vorhandenen Datenbank geplant. Über diese in Österreich einzigartige Datenbank haben Interessierte die Möglichkeit Namen und Häuser zu recherchieren. Die Website www.steinedesgedenkens.at ist seit Anfang 2010 in Betrieb.

Weitere Veranstaltungen sowie intensives Fundraising für die Errichtung weiterer Gedenksteine sind ebenfalls in Vorbereitung.

Weiters sollen die bisherigen Gedenktafeln im Bezirk zu einem Gedenkweg an die Opfer der Shoa ausgebaut werden. 

Parallel zu den Aktivitäten der Agendagruppe läuft eine intensive Vernetzung mit ähnlichen Initiativen, wie dem wienweiten Verein „Steine der Erinnerungen“.

 

Kontakt

Agenda Wien Landstraße

 

Materialien 

Merkblatt für Interessierte

Unterstützungserklärung

Gedenkweg-Liste

 

Links

Verein Steine des Gedenkens - Wien 3

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